Es war einer dieser Tage, an denen der Arbeitstag bereits innerlich beendet ist, während man äußerlich noch freundlich auf dem Weg zum letzten Objekt wirkt. Ein Treppenhaus in der Hamburger Innenstadt – bekannt, berechenbar, perfekt geeignet für einen schnellen Abschluss und einen pünktlichen Feierabend.
Das dachte die Reinigungskraft zumindest, als sie die Tür öffnete.
Ein bemerkenswerter Optimismus, rückblickend betrachtet.
Die dritte Etage hatte andere Vorstellungen
Die erste Etage war unauffällig.
Die zweite Etage war… informiert.
Zunächst über den Geruch. Dann über die Ursache.
Die dritte Etage: Jemand hatte sich übergeben.
Großzügig.
Mit beeindruckendem Engagement. Ohne Rücksicht auf die Reinigungskraft
Der Moment der professionellen Stille.
Man steht da.
Schaut auf das Ergebnis eines sehr langen Abends.
Und denkt nicht viel.
Denn in solchen Momenten helfen keine Konzepte, keine Checklisten und keine Theorien.
Es hilft nur eine einzige Frage:
Wie kriegen wir das jetzt sauber – und zwar richtig?
Ein Mopp ist hier nicht das richtige Werkzeug
Die bekannten Methoden wurden gedanklich geprüft und sofort verworfen.
Wasser? Würde lediglich international verteilen.
Wischen? Noch schlechter. Das Ergebnis wäre eine Art aromatischer Lasur gewesen.
Also blieb die einzig professionelle Frage:
„Was bindet zuverlässig, riecht nicht und ist ohne eigene Lebensform?“
Die Antwort lag nicht im Reinigungswagen.
Sondern im Supermarkt nebenan.
Der kurze Umweg zur richtigen Lösung
Ob es ein Netto, ein Rewe oder ein Kaufland war, lässt sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit sagen.
In solchen Momenten verwischt die Erinnerung gern die Details.
Entscheidend war:
Er hatte Katzenstreu.
Fünf Minuten später kehrte die Reinigungskraft zurück – mit einer frischen Tüte Katzenstreu und der Art Entschlossenheit, die man sonst nur aus Tierdokumentationen kennt.
Katzenstreu übernimmt – diskret, aber wirkungsvoll
Das Streu wurde großzügig ausgebracht.
„Großzügig“ beschreibt es eigentlich nur unzureichend.
Und sofort wurde klar:
Katzenstreu ist ein unterschätzter Experte für unangekündigte Zwischenfälle.
Flüssigkeit? Gebunden.
Geruch? Sichtlich eingeschüchtert.
Situation? Weit weniger dramatisch.
Psyche? Leicht ins Wanken geraten, aber wieder reanimiert
Man hätte meinen können, Katzenstreu sei eigens für solche Einsätze entwickelt worden – und die Sache mit den Katzen sei lediglich ein Nebenprodukt.
Ab hier wieder ganz gewöhnlich
Nach der kurzen, aber glanzvollen Karriere des Katzenstreus wurde alles sachlich entfernt.
Danach folgte die klassische Reinigung.
Ruhig. Effektiv. Ohne Applaus.
Ob jemand diesen kleinen Heldeneinsatz bemerkt hat, wissen wir nicht.
Vielleicht ein Nachbar aus der obersten Etage.
Vielleicht auch niemand.
In der Reinigung arbeitet man oft für ein Publikum, das gar nicht weiß, dass es eines ist.
Am Ende sah das Treppenhaus aus, als sei nie etwas passiert.
Was, nüchtern betrachtet, das bestmögliche Ergebnis ist.
Eine höfliche Randnotiz
Wir verfügen nun über eine fast volle Packung Katzenstreu, die im Anschluss an diesen Einsatz übrig blieb.
Sollte jemand – aus welchen Gründen auch immer – Bedarf haben, kann sie gern abgeholt werden.
Wir geben sie ohne Weiteres ab.
Man weiß ja nie, wann man plötzlich vor einer Situation steht, die… binden möchte.